Die Krawatte


Die Krawatte

Was haben ein Bankangestellter, ein Politiker und ein Manager gemeinsam? Sie tragen eine Krawatte (oder Fliege) und haben ihre Männlichkeit verkauft. Ich war selbst als Manager über Jahre Krawatten-Träger aus beruflichen Gründen und selbst abends nach Feierabend zierte sie mich noch. Es war meines Status gerecht. Warum? Weil es das System so fordert und man damit zeigt, welche Rolle man einnimmt. Gleichzeitig ist die Krawatte auch die Leine an der man(n) geführt wird. Zugeschnürt an der engsten Stelle des Körpers dürfen wir meistens nicht mehr frei entscheiden ob wir sie ablegen und uns wird vorgeschrieben, wie wir uns dadurch verhalten sollen.

Ich bin öfters am Münchner Flughafen und sehe sehr viele adrett gekleidete und perfekt aussehende Business-Menschen in dunklen Anzügen mit Krawatte von einer Metropole zur anderen reisen und alle wirken sie auf mich gleich: Gehetzt, verloren, blaß und irgendwie versklavt. Mehr farbloser Schein als individuelles Sein. Und immer wieder fällt mir ein Film aus meiner Jugend ein: Pretty Woman (ja, auch ich habe ihn mir angeschaut), als der Millionär und Entscheider ein großes Geschäft einfädelte, die Ausführung dessen seinen untergebenen Anzug-Trägern überließ und sich selbst den wirklich wichtigen Dingen im Leben widmete. Ohne Krawatte.

Die Krawatte ist ein geeignetes Symbol für die Züchtigung des Mannes in der modernen Welt und zeigt die Bereitschaft dazu, sich anzupassen und unterzuordnen. Früher wurden Halstücher getragen, um sich vor Kälte zu schützen und die Beduinen tragen auch heute noch solche Tücher in der Wüste, um sich vor Staub und Sand zu schützen. Zu Beginn der Industrialisierung begannen die Adeligen, Vornehmen und Wohlhabenden damit, sich mit Halstüchern zu schmücken, die auf eine bestimmte Art und Weise geknotet wurden, um damit zu zeigen, was sie sind und sich vom gemeinen Volk, das sich noch bei der Arbeit schmutzig machen muss, abzuheben und abzugrenzen. Sie waren schließlich etwas Besseres und hatten andere Verhaltensweisen, an die es sich strikt zu halten galt, um weiterhin angesehen zu bleiben.
Im Jahr 1880 führte die Universität Oxford eine Schul- und Vereinskrawatte ein, diesem „Vorbild“ schlossen sich sehr schnell andere Schulen und Vereine an und dies war auch der Vorläufer der Schul-Uniform. Das war auch dann der Beginn der Einförmigkeit (nichts anderes bedeutet Uniform!) und dem Träger wird vorgeschrieben wie er sich zu verhalten hat. Verstößt er gegen diese Regeln, muss man diese Uniform ablegen und ist von diesem Zeitpunkt an nicht mehr zuge-hörig. Das ist die schlimmste Strafe für jemanden, der sich mit diesem Status identifiziert und mit stolzgeschwellter Brust seine Uniform zur Schau stellt.

Die Krawatte

Unser Status ist das Wichtigste geworden und leider wird in unserer Gesellschaft oft nur derjenige hoch angesehen, der studiert hat, möglichst viele Titel trägt und sich anpassen kann. Der wilde, freiheitsliebende Teil wird unterdrückt und wir werden mehr und mehr zu Robotern - passive Männer, die sich dem Schicksal ergeben und darauf warten, ausgemustert zu werden.
Ich habe die Krawatte abgelegt und ich arbeite gerne. Ich mache mich gerne schmutzig im Garten, hüpfe beim Joggen in die größten Pfützen und habe unglaublich gerne Sex - als freier Mann. Und Du?

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